SUPER Nr. 28 am 09.07.2008

H@MESTORY Y/AMIN

Freitagnachmittag im Hildesheimer Stadtteil Himmelsthür. Neben einer kleinen Traditionsbäckerei steht das Einfamilienhaus der El-Amins. Uns fallen sofort der aufwändig gepflegte Garten und die Sonnenblumen auf, die neben der Eingangstür wachsen. In dieser beschaulichen Umgebung treffen wir Y/amin zum Interview. Vor zwei Jahren wurde die damals 15-jährige mit einer Anti-Hymne zur WM über Nacht zur Internetberühmtheit. Nur für SUPER öffnet sie die Tür zu ihrem Kinderzimmer und spricht mit uns über Schule, ihr neues Album und natürlich ihren ersten großen Hit...

Dein Youtube-Video wurde über 500.000 mal geklickt. Wie hat sich dein Leben verändert, jetzt da dich ganz Deutschland kennt?

Eigentlich hat sich kaum etwas verändert. Ich gehe weiterhin zur Schule, mache mein Abi. Na klar, kommt es ab und zu mal vor, dass ich auf das Video angesprochen werde. Aber wenn ich bei meiner Familie oder meinen Freunden bin, ist alles wie immer.

Hast du damit gerechnet, dass so viele Menschen dein Video sehen und du quasi über Nacht berühmt wirst?

Nein, das hätte ich niemals erwartet. Ich wollte eigentlich nie berühmt werden. „Die Welt ist rund“ habe ich nur veröffentlicht, weil es mich gestört hat, dass sich ganz Deutschland nur auf die WM konzentriert. Im Heimatland meines Vaters, dem Irak, herrschte Krieg. Trotzdem ging es in den Nachrichten nur um Fußball. Das fand ich nicht richtig.

Apropos WM, Nationaltrainer Jörg Glinsmann nannte deinen Song im Interview einen „Stimmungskiller“ für die WM-Atmosphäre in Deutschland. Was sagst du dazu?

Ich verstehe ja, dass die Menschen die Siege der deutschen Mannschaft feiern und sich darüber freuen wollten. Ich glaube, das haben sie auch trotz meines Songs getan. Ich wollte nie negative Stimmung verbreiten, aber wir können bei solchen Problemen in der Welt nicht einfach immer nur wegschauen.

In deinem Hit „Die Welt ist rund“ geht es, wie du schon sagtest, um den Krieg im Irak. Was hat dich inspiriert, diesen Song zu schreiben?

Die Vorlage für den Song war ein irakisches Lied, das mein Vater in meiner Kindheit oft bei der Gartenarbeit gesungen hat. Ich saß dann oft auf der Schaukel und habe ihm zugesehen. Ich verbinde viel Positives mit diesem Lied. Gleichzeitig erinnert es mich daran, dass die Kinder im Irak nicht so friedlich aufwachsen konnten wie ich. Wir sind oft so sehr mit uns selbst beschäftigt, dass wir vergessen, wie gut es uns geht und wie sehr Menschen in anderen Ländern leiden. In meinem Song wollte ich das zeigen.

Eine wichtige Botschaft. Hast du das Gefühl dein Song hat etwas verändert?

Mein Song hat eine klare und eindeutige Message. Ich denke, ich konnte zumindest etwas Aufmerksamkeit auf dieses wichtige Thema lenken.

Können wir uns denn auf noch mehr Videos auf deinem Youtube Kanal freuen?

Ich denke im Moment nicht. Ich will mich jetzt erstmal auf die Schule konzentrieren, ein gutes Abi schreiben. Nebenbei habe ich zusammen mit meinem Label in den letzten Monaten viel an meinem ersten Album gearbeitet.

Wie schaffst du es denn überhaupt, deine Musikkarriere und die Schule unter einen Hut zu bringen ?

Das klappt mal mehr, mal weniger gut! (lacht) Meinen Eltern ist es sehr wichtig, dass ich die Schule zu Ende mache. Mir auch. Man weiß nie, ob es mit der Musik immer so gut laufen wird. Es ist wichtig, einen Plan B zu haben.

Erzähl mal, was sind denn deine Pläne nach der Schule?

Ich will mir auf jeden Fall Zeit nehmen, mich ganz auf die Musik zu konzentrieren. Vielleicht von zu Hause ausziehen. In irgendeine Großstadt, nach Berlin oder so.

In diesem Jahr soll dein erstes Album erscheinen. Was können deine Fans erwarten?

Das Album wird sehr persönlich. Musik war schon immer meine Art, Dinge zu verarbeiten. Ich will eine andere, viel privatere Seite von mir zeigen. Mehr will ich noch nicht verraten.

Hast du das Album denn vor Release schon jemandem gezeigt?

Ja, ich habe es meinen Eltern schon vorgespielt. Sie waren total begeistert. Mein Vater musste sogar bei einem Song weinen. Ich glaube, er hat noch nie vor mir geweint. (lacht) Aber es ist schön zu sehen, dass meine Musik Menschen so bewegen kann.

Das Interview entstammt der Seminararbeit von Iska Haßfeld. Songtext: KI.