Yasmin El-Amin
Als Sängerin Y/amin wurde Yasmin El-Amin Mitte der 2000er-Jahre zum Teenie-Idol – mit Hits wie "Damals Blau".
Als Teenager hatten sie Ihren ersten riesigen Hit mit 16. Mittlerweile sind Sie 32. Können Sie uns nochmal erklären, wie es damals zu "Die Welt ist rund" kam?
Mein Vater summte mir daheim unentwegt frühere Hits aus der irakischen Heimat vor. Ein besonders eingängiges Volksstück wollte ich unbedingt auf meine eigene Art und Weise interpretieren. YouTube steckte damals noch in den Kinderschuhen. Deshalb war die hohe Resonanz für mich genauso überraschend. Meine Aufnahmen waren ursprünglich im Wesentlichen für Freunde und Familie gedacht.
Danach starteten Sie mit „Verloren in Gedanken“ und „Innerste“ erst richtig durch. Wie war das damals, auf Ihrer Schule die bekannteste Persönlichkeit zu sein?
Es war eine sehr surreale zwiespältige Erfahrung. Einerseits war es unglaublich aufregend, weil so viele Menschen meine Musik feierten. Andererseits war es schwierig, meine Privatsphäre zu schützen und gleichzeitig Freundschaften zu knüpfen. Schließlich war für mich nicht immer klar, ob meine Mitschüler an dem Menschen Yasmin oder an dem Popstar Y/amin interessiert waren.
Sorgte das auch für Neid bei den Altersgenossen?
Höchstens bei den Jungs. Meine Freundinnen waren immer begeistert, wenn die „Bravo“ neue Stories erzählen wollte. Dann durfte ich die Mädels zu allen möglichen Reisen und Festivals mitnehmen.
Vor genau 10 Jahren verschwanden Sie dann, direkt nach „Comfort Zone“, auf einmal abrupt von der Bildfläche. Was war passiert?
Ich zog nach Berlin und fühlte mich in der großen Stadt verloren. Nach langen Tourneen spürte ich, wie ausgelaugt ich war und habe infolgedessen viele kreative Entscheidungen, die mir damals eigentlich wichtig sein sollten, anderen überlassen. Das tat mir auf Dauer nicht gut. Irgendwann meldet sich der Körper und verlangt nach Ruhepausen.
Sie gerieten nicht mehr mit Ihren musikalischen Erfolgen, sondern durch Ihre Beziehung zu „Bandolero“-Frontmann Julez und angebliche Drogeneskapaden in die Schlagzeilen.
Nur so viel dazu: Ich bin größtenteils dankbar für alles, was ich erlebt habe. Dazu zählen auch all die Hindernisse und Lektionen, die sich auf unserem Weg ergeben. Beide Ereignisse machten mir klar, wie wichtig es ist, das Leben bewusster zu gestalten und mir ein selbstbestimmtes Handeln wieder anzueignen. Ich war ein Vorbild und hatte Verantwortung. Ein paar Jahre später schaffte ich den Absprung. Seitdem lebe ich komplett gesund. Keine Drogen, kein Alkohol mehr.
Wie geht es Ihnen heute und was sind Ihre Pläne?
Inzwischen befinde ich mich in der Endphase meines Ethnologie-Studiums. Außerdem habe ich mich mit Begeisterung dem Schreiben gewidmet: Nachdem ich aus der Musikindustrie ausgestiegen bin, hatte ich das Gefühl, dass ich noch viel mehr zu sagen habe. Ich hatte so viele einzigartige Erfahrungen gemacht und möchte diese mit anderen teilen. Ich möchte zeigen, wie man trotz aller Rückschläge glücklich sein kann, indem man sich auf das konzentriert, was wirklich wichtig ist.
Worauf dürfen wir uns bei Ihrem Buch konkret freuen?
Ich habe über die Jahre viele außergewöhnliche Gespräche bei den Treffen in unserem örtlichen Migrationszentrum führen dürfen. Während meiner musikalischen Schaffenszeit konnte ich meine Emotionen und Gedanken in der Musik ausdrücken. Nun können mir diese Erfahrungen dabei helfen, diese wichtigen Geschichten als Schriftstellerin würdig aufzugreifen und zu verarbeiten.
Das Interview entstammt der Seminararbeit von Andreas Richter.