Kiel
geht
baden

Ein Stadtstrand für Kiel?

Von Stina Fydrich

Vision des Stadtstrandes an der Kiellinie. © Visualisierungen: Dipl.-Ing. Gisbert-K. Jungermann. Mit freundlicher Genehmigung.

Der gemeinnützige Verein Stadtstrand Kiel e.V. verfolgt das Ziel, einen frei zugänglichen Stadtstrand an der Kiellinie zu errichten – von der Bellevue-Brücke bis hin zum Seebad Düsternbrook. Ihre Vision zeigt einen attraktiven Strandabschnitt, der zum Baden und Schwimmen einlädt.

Eine stadtnahe Möglichkeit des Wasser- und Schulsports sowie der Freizeitgestaltung für Jung und Alt – all das soll der Stadtstrand vereinen. Mit der Errichtung würde sich der Abschnitt seinem Ursprung annähern, da vor dem Bau der Kaimauer ein langer Sandstrand die heutige Kiellinie säumte.

Stadtstrand Kiel e.V. wird im September 2010 von engagierten Kieler Bürger*innen gegründet, die die Vision eines Sandstrandes nahe des Stadtzentrums teilen. Kiel kann sich mit vielen Stränden außerhalb der Stadtgrenzen schmücken; zentrale Bademöglichkeiten gibt es jedoch nur in Form von Stegen. Der Verein setzt sich für die Realisierung eines öffentlichen Stadtstrandes an der Kiellinie ein, der zu Fuß, mit dem Fahrrad oder einer Strandbuslinie der KVG erreichbar ist. Neben dem Freizeitaspekt soll er einen Ort für den Sportunterricht sowie den Wasser- und Segelsport darstellen.

Hotel Bellevue im Düsternbrooker Weg 178 [1885]. © Stadtarchiv Kiel 13550, Fotografie von Friedrich Braune. (CC BY-SA 3.0 DE)

Zu Beginn der Strandweg, später das Hindenburgufer und heute die Kiellinie – das fragliche Gebiet war im 19. Jahrhundert eine natürlich gewachsene Strandlandschaft. Von der Wik bis ins Stadtzentrum erstreckte sich ein langer Strandabschnitt, der schon damals zum Schwimmen und Baden genutzt wurde. Die Errichtung des Stadtstrandes wäre eine Rekonstruktion der historischen Strandsituation. Zudem wäre die Sanierung der baufälligen Böschungsmauer nicht mehr erforderlich. Die Kosten einer 400 m langen und ca. 40 m breiten Sandaufschüttung von etwa 1 Mio. Euro sind vergleichsweise gering.

Kiellinie im März 2022. Blick von der Bellevue-Brücke zum Seebad Düsternbrook. © Stina Fydrich.

In der Politik zeichnet sich ein weitestgehend positives Stimmungsbild bezüglich des Stadtstrandes ab. Zudem wird das Vorhaben im Jahr 2012 in den Rahmenplan Kieler Förde aufgenommen – die Gesamtwürdigung des Erläuterungsberichts ist positiv. Auch bei Leser*innen der Kieler Nachrichten stößt die Idee eines aus der Innenstadt fußläufig erreichbaren Strandes auf Zustimmung und sie prophezeien eine Steigerung der Lebensqualität und des Images Kiels. Dennoch kursiert die Sorge um Sandabtragungen. Regelmäßiges Aufschütten neuen Sandes würde zusätzliche Arbeit und Kosten bedeuten.

Trotz der Begeisterung für einen Innenstadt-Strand steht die Realisierung vor mehreren Problemen. Die Umweltverträglichkeit wird in Frage gestellt – ein gesetzlich geschütztes Biotop müsste beseitigt werden und die Sandaufschüttungen unterlägen der Gefahr aufgrund von Stürmen in die Förde gespült zu werden. Doch auch ungeklärte Aspekte wie die Parkplatzsituation, die Strandreinigung und die sanitäre Versorgung erschweren die Umsetzung. Die langfristigen Kosten seien nicht finanzierbar, so die offizielle Begründung, weshalb die Idee eines Stadtstrandes in und für Kiel letztendlich doch baden geht.