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Mülltonne Kieler Förde
Von Eva Froitzheim
Die Kiellinie bei der Badestelle und der Reventlouwiese © Eva Froitzheim.
Die Kieler Förde oder wassernahe Plätze wie die Reventlouwiese müssen regelmäßig gereinigt werden, da es dort immer wieder zu einer Müllbelastung kommt. Die Verschmutzungen belasten nicht nur die Umwelt, sondern auch Folgen für Menschen, die bei der Badestelle Kiellinie schwimmen gehen.
Abfälle im Wasser, wie Flaschen oder Fischernetze, können eine Verletzungsgefahr für Schwimmer*innen darstellen und Glasscherben für Besucher*innen an Land. Es zeigt sich, dass Müll häufig an öffentlichen Plätzen zurückgelassen wird. Die Gründe dafür lassen sich als „Tragödie des Gemeinguts“ beschreiben.
Plätze an der Kiellinie, wie die Badestelle oder die Reventlouwiese, sind besonders im Sommer beliebte Orte für Kieler*innen oder Tourist*innen. Allerdings sorgten Feste wie die Kieler Woche für eine zusätzlich hohe Abfallbelastung, welche in den letzten Jahren immer wieder in der Presse thematisiert wurde. 2019 berichteten die Kieler Nachrichten, dass im vorherigen Jahr 275 Tonnen Abfall während der Kieler Woche entstanden seien, von denen 83,9 Tonnen nicht ordnungsgemäß entsorgt wurden. Der Abfall sammelte sich dabei nicht nur an den öffentlichen Plätzen, sondern auch zusätzlich in der Kieler Förde an.
Die Reventlouwiese nach einer Partynacht im Sommer 2021. © Uwe Paesler. Mit freundlicher Genehmigung.
Der pandemiebedingte Ausfall der Kieler Woche löste das Problem allerdings nicht, sondern verlagerte es nur. Wegen der Schließung der Clubs 2021 wurde die Reventlouwiese zu einem beliebten Ort für Partys. Der Müll wurde anschließend dort liegen gelassen und musste von der Stadt entsorgt werden. Die Frage ist, wieso es immer wieder zu dem Müllproblem an und in der Förde kommt, obwohl gleichzeitig „Fridays for Future“ gezeigt hat, wie wichtig das Bewusstsein für den Umweltschutz ist. Ein bereits Ende der 1960er Jahre vom amerikanischen Ökonomen Garrett Hardin entwickeltes Modell mag hier Aufschluss bieten: “the tragedy of the commons”.
Eine Mülltonne muss nach einer Partynacht 2021 aus der Förde gezogen werden. © Frank Behling. Mit freundlicher Genehmigung.
Hardins Modell geht davon aus , dass es bei allgemein verfügbaren Gütern zu einer „Tragödie“ kommen muss, weil bestimmte Individuen bei der Nutzung nur den eigenen Vorteil erzielen wollen. Dieser Vorteil ist aber oftmals nur kurzfristig und schadet der langfristigen Erhaltung des Objektes. Ursache wäre ein mangelndes Gefühl der Eigenverantwortung, welches das Wohl aller mitdenkt. Der Abfall, der beim Feiern oder durch die Kieler Woche entsteht, bleibt in der Umwelt liegen, weil diese Art der Entsorgung für die einzelne Person leichter ist.
Der Vorteil der schnellen Entsorgung überwiegt der Verantwortung für die Erhaltung des Allgemeinguts, da es nicht sofort zu Konsequenzen kommt. Diese wirken sich erst auf die Menschen aus, die in der Förde schwimmen oder sich am Wasser aufhalten möchten. Es kommt zu der „Tragödie“, weil sich langfristig – ohne Reinigung durch die Stadt oder Dritte – so viel Müll ansammeln würde, dass eine Nutzung für andere eingeschränkt wäre. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass es erneut zu einer höheren Müllbelastung kommt, sobald die Kieler Woche wieder in einem größeren Umfang stattfinden darf.