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Demokratisches Baden

Von Henriette Cromm

Wandelgang der Seebadeanstalt Holtenau. © Lighthouse Foundation.

Wer entscheidet eigentlich, wo Kieler*innen baden gehen können? In der Realität sind das häufig die Finanzen der Stadt. Das war auch an der Seebadeanstalt Holtenau über Jahrzehnte hinweg spürbar. Heute ist das anders: Durch einen Besitzerwechsel ist dort nun demokratisches Baden gesichert.

Ermöglicht wird das durch die Lighthouse Foundation (LF). Sie kaufte die Seebadeanstalt 2012. Ein zentrales Interesse der Stiftung ist der Schutz der Meere, weshalb sie Menschen weltweit für das Meer sensibilisieren möchte. Aber wie lässt sich das mit demokratischem Baden in Holtenau verbinden?

Eigentlich liegt der Schwerpunkt der Lighthouse Foundation nicht in Deutschland, sondern im sogenannten Globalen Süden. Dennoch weckte das Projekt das Interesse der gemeinnützigen Stiftung. Laut Jens Ambsdorf (CEO) und Jörg Grabo (Pressereferent) ist es nämlich auch ein Teil ihrer Arbeit, Beteiligung von Bürger*innen möglich zu machen, die oftmals durch verschiedene Faktoren erschwert wird. Als neue Besitzer wollten sie nicht vorgeben, was genau dort stattfinden sollte und welche Regeln dafür gelten sollten, sondern befragten dazu die Holtenauer*innen – ganz demokratisch.

Badesaison an der Seebadeanstalt Holtenau. © Lighthouse Foundation.

Dabei kam heraus, dass die Seebadeanstalt nicht zu einer Partylocation werden sollte. In erster Linie sollte dort
für jede*n das Baden ermöglicht werden und das ohne einen festen Eintrittspreis. Spenden sind zwar immer willkommen, sie sind jedoch nicht verpflichtend. So kann sich jede*r so oft er oder sie es möchte in der Kieler Förde erfrischen, ohne vor möglichen Kosten zurückzuschrecken. Und diese Regelung funktioniert: Durch die über das Jahr von Badegästen gespendeten Beträge konnten die Kosten für die vorgeschriebenen Rettungsschwimmer*innen bisher immer gemeinsam gedeckt werden.

Unerlässlich für die Kieler Badedemokratie: der Freundeskreis der Seebadeanstalt Holtenau beim Sommerfest 2021. © Lighthouse Foundation.

Unterstützt werden die Rettungsschwimmer*innen vom Freundeskreis der Seebadeanstalt Holtenau. Dieser steht allen Interessierten offen und übernimmt ehrenamtlich die Badeaufsicht in den Sommermonaten. Darüber hinaus tragen seine Mitglieder zum Erhalt und der Gestaltung der Badeanstalt bei, indem kleinere Reparaturen erledigt werden oder Veranstaltungen wie Kinoabende organisiert werden. Dabei könnte man, um einem Kernthema der Stiftung zu entsprechen, Filme über Nachhaltigkeit zeigen. Wenn die Mehrheit jedoch etwas anderes sehen möchte, dann wird diesem Wunsch auch gefolgt.

Das Thema Nachhaltigkeit ist im Kleinen aber trotzdem vertreten: Die Seebadeanstalt wird immer wieder für wissenschaftliche Projekte, zum Beispiel für das GEOMAR, bereitgestellt und die Besucher*innen können dieses Jahr wieder Fragen über das Meer an die Pinnwand der Badeanstalt heften, neben denen ein paar Tage später die Antworten der Stiftungsmitarbeiter*innen hängen. Insgesamt findet also fortlaufend ein beispielhafter Austausch zwischen der Stiftung und Kieler*innen über verschiedene Belange statt, der im städtischen und im privaten Besitz zuvor nicht möglich gewesen ist.