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Kiels erstes Seebad
Von Ann-Christin Prüße
Das Kieler Seebad um 1865, kurz vor Abriss. © Stadtarchiv Kiel, 1.6 ApPhoS, Sig.: 44.740, Fotografie von Friedrich Brandt. (CC BY-SA 3.0 DE)
1803 waren sich die drei Kieler Professoren Schrader, Brandis und Pfaff einig: Kiel brauchte ein Seebad, um die Stadt für Tourist*innen und Einheimische attraktiver zu machen. Das Meerwasser der Ostsee sollte dabei besonders der Gesundheit zugutekommen und die salzige Seeluft der Erholung dienen.
Nach einer fast zwanzigjährigen Planungsphase, der Überwindung bürokratischer Hindernisse, einem Krieg und der Gründung mehrerer Aktiengesellschaften, die die Finanzierung des Seebades realisieren konnten, feierte das Kieler Seebad in Düsternbrook im Juni 1822 seine Eröffnung.
Wo sich heute das Kieler Landtagsgebäude befindet, stand von circa 1822 bis 1865 das Kieler Seebad. Als erste Seebadeanstalt Kiels sollte sie besonders zur Heilung von Krankheiten dienen, entwickelte sich jedoch schnell zum kulturellen Treffpunkt des Kieler Gesellschaftslebens. Das Kieler Seebad war die erste Badeanstalt in Kiel und die zweite an der gesamten Ostseeküste. Es bestand aus einem Außenbereich, in dem ein kaltes Bad zu medizinischen Zwecken genommen werden konnte sowie einem klassizistischen Gebäude, in dem warme Bäder in Marmor- und Zinkwannen bereitet wurden.
Die neue Seebadeanstalt zu Düsternbrook, um 1895. © Kieler Stadtarchiv, 1.6 APhoS, Sig. 44.742. Fotografie von Christian Hinrichsen . (CC BY-SA 3.0 DE)
Der Plan zum Bau des Seebades wurde bereits 1803 von den drei Universitätsprofessoren Schrader, Brandis und Pfaff gefasst. Sie wiesen dem Ostseewasser der Kieler Bucht wichtige Qualitäten nach, die den Standort geradezu ideal für ein Seebad zu medizinischen Zwecken der Kur und Gemeinschaftlichkeit erscheinen liessen. 1803 war Kiel mit 7.000 Einwohner*innen eine Kleinstadt unter dänischer Herrschaft. Das Seebad sollte die Stadt für Kieler*innen, aber besonders auch für Tourist*innen attraktiver machen. Die königliche Zustimmung zur Errichtung der Badeanstalt wurde am 27. Januar 1804 erteilt.
Mithilfe von Badekarren nahm man das medizinische kalte Bad. © Kieler Stadtarchiv, 1.6 – APhoS, Sig. 44.942. Fotografie von Eduard Mertens. (CC BY-SA 3.0 DE)
Daraufhin gründete sich eine Aktiengesellschaft zur Finanzierung und Inbetriebnahme des Seebades, der eine Monopol-stellung auf das gesamte Badewesen in Kiel zugesichert wurde. Allerdings kam es noch zu keiner Umsetzung. Erst als König Friedrich IV. eine Allee vom Schlossgarten in das Düsternbrooker Gehölz bauen ließ, nahm man die Planungen wieder auf. Eine königliche Kommission erwarb das Grundstück am Düsternbrooker Ufer. Die Realisierung des Baus scheiterte jedoch erneut aufgrund der politischen und finanziellen Schwächung Dänemarks im Zuge der napoleonischen Kriege 1812/13.
Die Idee blieb dennoch fortbestehen. 1819 gründete sich eine neue Aktiengesellschaft aus Kieler Bürger*innen und einigen Gutsbesitzer*innen, die das Seebad nun privatwirtschaftlich finanzierten. Im Juni 1822 konnte das Seebad nun endlich auf dem zuvor gekauften Grundstück eröffnet werden. 1865 endete jedoch die Ära des ersten Kieler Seebades: Im Zuge des Deutsch-Dänischen Krieges erwarb die preußische Regierung sein Gelände zum Aufbau eines Marinedepots. Im Bereich des heutigen Sporthafens nahm dann 1867 ein neues Seebad seinen Betrieb als Seebadeanstalt zu Düsternbrook auf.