Kiel
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Bellevue for the People

Von Anni Beeke Röhl

Baden verboten. © Julia Dankmer

Hochsommerliche Temperaturen und die Corona-Reisebeschränkungen ziehen im Sommer 2020 viele Badefreudige an jeden Wasserzugang der Kiellinie, so auch an den wegen Reparaturen gesperrten Fähranleger Bellevue. Mehrmals täglich räumt die Wasserschutzpolizei den Steg und spricht Platzverweise aus.

Junge Kieler Badefreund*innen demonstrieren gegen die Sperrung ihrer Bellevuebrücke und reichen eine Petition ein, mit großem Beistand aus der Kieler Bevölkerung. Lange stellt sich der Stadtrat quer und eröffnet erst nach langem Hin und Her den Fähranleger als offiziellen Badesteg – mit gemischter Resonanz.

Bereits seit ein paar Jahren kollidieren die Sicherheitsbedenken der Schlepp- und Fährgesellschaft Kiel aufgrund des Fährverkehrs und Gefahren unter der Wasseroberfläche mit der Anziehungskraft der Förde auf die Kieler*innen. Der Kieler Stadtrat beruft sich auf die städtische Badestelle an der Kiellinie, die dem Ansturm der wasserliebenden Kieler Bevölkerung bei gleichzeitiger Einhaltung der pandemiebedingten Abstände im Sommer 2020 allerdings nicht gerecht wird, sowie auf die (kostenpflichtigen) Bäder Kiels und die umliegenden Badestrände jenseits des Nord-Ostsee-Kanals.

Demonstration vor der Bellevuebrücke. © Julia Dankmer

Die Kieler Studentin Julia Dankmer (26) postet zunächst auf Instagram unter dem Hashtag #bellevueforthepoeple zu dem Thema des beliebten, aber verbotenen Badestegs, mit großer Zustimmung von zahlreichen Badefreund*innen. Daraufhin startet sie im August 2020 eine Online-Petition mit der Forderung, die Bellevuebrücke als Aufenthalts- und Badeort zu öffnen. Über 2500 Kieler*innen unterstützen die Petition. Die lokalen Medien berichten und kommentieren; auch die SPD-, FDP- und CDU- Fraktionen Kiels äußern sich zu der Notwendigkeit von Bademöglichkeiten in der Stadt.

Beliebter Aufenthaltsort © Gesche Siebke.

Als Reaktion auf die hitzige Debatte im Sommer 2020 macht sich Oberbürgermeister Ulf Kämpfer im Februar 2021 für eine Öffnung der Bellevuebrücke als Badeort stark, entgegen der Einwände des für den ÖPNV in Kiel verantwortlichen EBK (Städtische Eigenbetriebe Kiel). Probeweise soll die Bellevuebrücke künftig im Sommer als Badeort genutzt werden, im Frühling und Herbst wieder als Fähranleger. Am 25. Juni 2021 schließlich wird die Bellevuebrücke als Badesteg geöffnet – mit einigen Veränderungen: Neben einem L-förmigen Ponton ist die Badestelle nun mit Bademöbeln, sanitären Einrichtungen und einem Rettungszelt ausgestattet.

Zu viel, findet die Initiatorin. Sie ist erfreut zu sehen, dass Engagement etwas bewirken kann. Die Umsetzung durch die Kieler Bäder sei ästhetisch und funktional jedoch nicht optimal auf die Bedürfnisse der Bürger*innen abgestimmt. So hätten beispielsweise die beschränkten Öffnungszeiten zu erneuten Konflikten mit der Polizei geführt. Vorläufig bis zum Sommer 2022 ist die Nutzung der Bellevuebrücke als Badesteg geplant. Der Startschuss für ein 15 Mio. Euro Projekt zum Ausbau der Uferpromenade zwischen Düsternbrook und Bellevuebrücke lässt auf gute Aussichten an der Kiellinie hoffen.