Kiel
geht
baden

Die Zukunft des MFG-5-Geländes

Von Nena Buhlmann

Der Siegesentwurf des Berliner Architektenverbunds Yellow Z in Vogelperspektive. © Mario Abel. Mit freundlicher Genehmigung.

Planungswerkstatt, Planungsbeirat, 
Planungswettbewerb – die Planungen 
um das ehemalige MFG-5-Gelände im Kieler Norden laufen 
auf Hochtouren. Für die Bürger*innen steht eines fest: ein inklusiver Zugang zum Wasser muss her - vielleicht sogar ein Strand? Der Wunsch nach einer neuen Bademöglichkeit ist groß.

Der Siegerentwurf des Planungswettbewerbs öffnet sich diesem Wunsch: Neben einer langen Promenade ist aktuell auch ein Seebad mit Strand geplant. So könnte ein Stück Geschichte zurückkehren, denn es gab ihn mal: den Holtenauer Badestrand. Doch wie realistisch ist dieses Szenario?

Der einstige Badestrand erstreckte sich über mehrere hundert Meter – vom Leuchtturm bis zum heutigen MFG-5-Areal (Marinefliegergeschwader 5). Doch durch die Umfunktionierung des Geländes verschwand der Strand allmählich. Die Marine kaufte 1889 einen Teil des Strandes auf, um die Nutzungsfläche künstlich zu erweitern. Ein weiterer Teil wurde für die Errichtung der Seefliegerstation genutzt. Das Badeleben im Stadtteil Holtenau wich immer mehr einem militärischen Zweck. Als einzige Badestelle blieb die Seebadeanstalt, für deren Erhalt sich die Bürger*innen erfolgreich einsetzten.

Der ehemalige Strand mit Seebadeanstalt. © Bert Morio. Mit freundlicher Genehmigung.

Ein wenig bürgerliche Partizipation war nun wieder gefragt, wenn auch nicht in Eigeninitiative. Mit dem Umzug des MFG-5 startete im Jahr 2010 der Planungsprozess um die Nutzungsmöglichkeiten des Geländes. „Wie soll der zukünftige neue Stadtteil aussehen?“ lautete die Frage, die alle etwas angeht. Die „Planungswerkstatt“ bot Raum für Anregungen und Wünsche. Die Nähe zum Wasser erweist sich als identitätsstiftend. Das Wasser ist da, aber: Eine „Stadt am Wasser“ zeichnet sich nicht nur durch öffentliche Räume am Wasser aus, sondern vor allem durch einen öffentlichen Zugang zum Wasser.

In Zukunft: Uferpromenade mit Seebad. © Mario Abel. Mit freundlicher Genehmigung.

Die Vision für eine neue Bademöglichkeit ist da und seit 2021 auch ein erster Entwurf. Zwar liegt diesem keine bürgerliche Entscheidung zugrunde, doch die Ideen des Architektenteams „Yellow Z“ scheinen den Wunsch nach Baden mit einzubeziehen. Auf dem MFG-5-Gelände soll in Richtung Süden ein geschütztes Seebad mit Strand entstehen, der „kleine Hausstrand der Insel“. Und auch ein weiteres Seebad ist geplant. Eine „Flaniermeile“ auf dem neuen „Sahnestück“ der Stadt. Das klingt nach Badespaß. Das Wasser ist da, die Vision ist da, der Entwurf ist da, aber – es gibt noch ein „aber“?

Leider ja. Denn ob der ersehnte Zugang zum Wasser tatsächlich Realität wird, ist fraglich. Hochwasser und Strömung sind nur zwei Problempunkte. Auch stellt sich die Frage, wer die Zugänge zum Wasser nutzen soll in einem Gebiet, dessen Wohnraum sich aller Voraussicht nach nur wenige leisten können. Wer darf an dem kleinen Strand baden? Wer will dort baden gehen? Wird der öffentliche Zugang wirklich inklusiv? Die Antwort auf solcherlei Fragen steht noch aus. Hoffen wir, dass irgendwann die neuen und alten Holtenauer baden gehen – und nicht ihre Wünsche.