Kiel
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Von Ole Petras

Bademöglichkeiten im kieler Stadtgebiet. © OpenStreetMap-Mitwirkende

Was bedeutet kulturelle Identität? Wie verorten wir uns innerhalb der Gesellschaft? Wie entwerfen wir unsere Herkunft und was verbinden wir mit ihr? Gibt es ein Gefühl von Zugehörigkeit auch jenseits des Einwohnermeldeamtes? Diese Fragen stellten sich Studierende der Universität Kiel im Wintersemester 2021/22.

Aber seltsam: Je mehr Antworten wir erhielten, desto komplizierter erschienen die Fragen. Bereits in dieser vergleichsweise homogenen Gruppe Kieler Studierender trafen jede Menge individuelle Sichtweisen und Eindrücke aufeinander. Was zeichnet unsere Herkunftsorte also aus? Was ist dieses komische Ding, das wir Heimat nennen?

Fest stand: wir alle wohnen und arbeiten in Kiel. Und die Stadt Kiel definiert sich durch ihre Nähe zur Ostsee – als »Sailing City«, historisches Seebad und internationaler Fährhafen. Kiel ist eine »entspannte Großstadt am Meer«, wie es auf der städtischen Webseite heißt, deren »größtes Sport- und Freizeitareal 17 Kilometer lang [ist]: die Förde und ihre Strände.« Wir Kielerinnen und Kieler verbringen, so der hier erzeugte Eindruck, das halbe Jahr in Bikini und Badeshorts. Und mit uns genießen es zahlreiche Touristen, mit Fördedampfer, Bus oder Rad zwischen Strand und Innenstadt zu pendeln. Wenn es eine kulturelle Identiät der Stadt Kiel gibt, so unsere Überlegung, hat sie mit dem Zugang zum Wasser zu tun.

Strand in Schilksee, Juli 1958 (c) Stadtarchiv Nr. 14691. Fotografie von Friedrich Magnussen. (CC BY-SA 3.0 DE)

Aber schnell wurde klar: Wo immer Menschen um Ressourcen konkurrieren, finden Aushandlungsprozesse und Entwicklungen statt. Jede Bademöglichkeit in Kiel hat eine eigene Geschichte und eine eigene Problematik. Unsere Ausstellung macht es sich zur Aufgabe, diese Geschichten zu erzählen. Im Fokus stehen dabei nicht politische oder wirtschaftliche Interessen, sondern der Alltag und die Wünsche der Bevölkerung. Denn ein zweiter Blick zeigte: So selbstverständlich, wie es das Marketing der Stadt darstellt, ist der Zugang zum Wasser in dieser Stadt nicht – oder zumindest nicht für alle. Unsere Exponate konzentrieren sich daher auf diejenigen Badestellen und Schwimmstätten, die durch das – fast immer ehrenamtliche – Engagement der Zivilgesellschaft gestaltet oder überhaupt erst möglich gemacht werden.

Schwimmhalle im Sportforum der Christian-Albrechts-Universität an der Olshausenstraße, Januar 1976 (c) Stadtarchiv Nr. 18272. Fotografie von Friedrich Magnussen. (CC BY-SA 3.0 DE)

Die Ausstellung ist Ergebnis eines Projektseminars des Moduls Angewandte Kulturwissenschaft von Studierenden des Masterstudiengangs Gegenwartsliteratur und Literaturvermittlung an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel. Ziel unserer Arbeit ist es, die modellbildende, theoriegestütze Erforschung kultureller Phänomene mit der kulturbetrieblichen Praxis zu verbinden. Abstrakte Fragestellung wie diejenige nach der kulturellen Identität einer Stadt wie Kiel führen so zu greifbaren Aufgaben, etwa der Suche nach dem Thema einer Ausstellung und der Entwicklung einzelner Exponate. Anhand konkreter Projekte werden konkrete Lösungen erarbeitet. Die so erworbenen Kompetenzen bewähren sich im späteren Berufsleben.

Das ursprünglich KIEL Museum überschriebene Projektseminar fand im Wintersemester 2021/22 unter der Leitung von Dr. Ole Petras statt. Die Gestaltung hat der freie Grafiker Henning Broder Klein übernommen. Herzlich zu danken wäre außerdem unseren GastreferentInnen Dr. Johannes Rosenplänter (Leiter des Kieler Stadt- und Schifffahrtsmuseums und des Stadtarchivs), Dr. Ulrike Pluschke (Referatsleiterin Kulturelle Infrastruktur im Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur des Landes Schleswig-Holstein sowie Geschäftsführerin der Kulturstiftung des Landes SH) und Dr. Philipp Salamon-Menger (Referatsleiter Kulturentwicklung und Religionsangelegenheiten sowie stellvertr. Abteilungsleiter im Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur des Landes Schleswig-Holstein). Das Projekt wurde gefördert mit Mitteln des Struktur- und Exzellenzbudgets der CAU.