nikolai ziemer

Mitgründer des Indiependent-Verlags stirnholz, Kiel

Zusammen mit dem Grafik- und Buchdesigner Kaspar Pansegrau habe ich 2020 den Indiependent-Verlag „stirnholz“ in Kiel ins Leben gerufen. Im Programm haben wir bibliophil gestaltete Lyrik- und Prosabände sowie das Kieler Literaturmagazin Der Schnipsel. Überdies veranstalten wir Lesungen und gestalten Literaturinszenierungen.

Als Verleger übe ich vor allem eine Vermittlerfunktion zwischen Autor*innen, Lektor*innen und dem Buchdesigner aus. Ich begleite den Prozess der Herstellung eines Buches und darüber hinaus dessen Vermarktung. Meine Aufgabe ist es außerdem, neue Autor*innen zu akquirieren, Lesungen zu organisieren, auf Messen den Verlag zu präsentieren, mit Buchläden Kontakt zu knüpfen und zu halten, Bücher zu versenden, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit zu leisten, Texte zu schreiben – etwa für die Homepage oder die Klappentexte – Autor*innenverträge auszuhandeln und vieles mehr. Aktuell arbeiten wir an einem Gedichtband von Stephan Turowski mit dem Titel „Das Leuchten der Lettern" und an der Jubiläumsausgabe des Literaturmagazins Der Schnipsel. Vor kurzem haben wir – um ein Beispiel unseres erweiterten Verlagsverständnisses zu nennen – eine Literaturinszenierung mit dem Titel "Die Wasser sprechen" in Lübeck in einer Werft veranstaltet, bei der Kurztexte zum Thema Wasser audiovisuell erlebbar wurden.


Da wir unsere Bücher als noch recht kleiner Verlag vor allem über unseren Onlineshop vertreiben, bin ich viel mit dem Versand der Bücher beschäftigt. Am liebsten bespreche ich mich mit Kaspar Pansegrau über die Gestaltung eines Buches. Das ist ein sehr spannender Prozess, bei welchem es im besten Falle gelingt, dem Inhalt eines Werks eine passende Gestalt zu geben, also eine adäquate Typographie, ein passendes Format, das richtige Papier und ein Cover, welches den Buchinhalt repräsentiert. Dies erfordert eine sehr intensive Auseinandersetzung mit dem „Wesen" eines Werks.

Ich habe an der Christian-Albrechts-Universität in Kiel Gegenwartsliteratur und Literaturvermittlung sowie Kunstgeschichte studiert. Die Idee, einen Verlag zu gründen, ergab sich gleichsam als logische Konsequenz aus meiner langjährigen Arbeit als Redaktions- und Gründungsmitglied des Kieler Literaturmagazin Der Schnipsel. Dieses Magazin – zu Beginn meines Studiums in Kiel mit ein paar literaturbegeisterten Kommiliton*innen ins Leben gerufen – haben wir lange Jahre kostenlos herausgeben und zunächst nur auf dem Campus verteilt. Mit einer größer werdenden Leser*innenschaft auch außerhalb der Universität, einem wachsenden Pool an Autor*innen sowie der personellen Vergrößerung der Redaktionsgruppe professionalisierte sich auch das Magazin (scheinbar) ganz von allein. Sowohl die Idee, das Heft zu verkaufen, als auch Werke einzelner Autor*innen mit einer eigenständigen Publikation herauszugeben, führten dann zu der Auseinandersetzung mit dem Thema Verlagsgründung, das sich mit den Jahren zu realisieren begann. Zusammen mit dem Gestalter Kaspar Pansegrau, der zunächst zum Redaktionsteam des Schnipsel dazustieß, konnte ich dieses Vorhaben dann 2020 mit der Anmeldung beim Gewerbeamt und der Herausgabe der ersten Bücher in die Tat umsetzen.

Im Lektorat ist es wichtig, nicht nur gerne und viel zu lesen und die Grammatik der deutschen Sprache zu beherrschen. Man muss im besten Falle bereits den Lektorats-Prozess einmal mitgemacht haben, um zu wissen, dass es dabei um die Findung eines bestmöglichen Ausdrucks des Textes in Zusammenarbeit mit den Autor*innen geht. Dabei sind kommunikative Fähigkeiten und Einfühlungsvermögen genauso wichtig wie das Moderieren des Arbeitsprozesses. Ein Abschluss im Fach Germanistik ist hier sicherlich von Vorteil. Für Buchgestalter*innen ist ein entsprechendes Studium unerlässlich, bei welchem man nicht nur mit den Computer-Programmen wie InDesign und Arbeitsweisen des Buchdesigns sowie Theorien der Typographie vertraut gemacht wird, sondern dort auch eine eigene künstlerische Sprache entwickelt, die dann das „Corporate Design" des Verlags bzw. das einzelner Bücher ausmacht.

Als Verlag nicht nur für bibliophile Bücher und experimentelle Literatur, sondern auch für neue Lesungskonzepte und ungewöhnliche Literaturausstellungen, ist ein*e kreative*r Bewerber*in, der*die sich unvoreingenommen und ergebnisoffen immer neuen Aufgaben rund um das Thema Lyrik und Prosa stellen kann und dabei einfühlsam agiert, ein*e potenziell geeignete*r Mitarbeiter*in für den Verlag.

Indiependent-Verlage wie der stirnholz Verlag betreiben Pionierarbeit, da hier, abseits des Mainstreams, Neues und Ungewöhnliches ausprobiert wird. Dies betrifft bei uns sowohl die Literatur als auch die Buchgestaltung, aber auch neue Leseformate und Literaturinszenierungen. Diese innovativen Impulse wirken sich positiv und befruchtend auf die gesamte Kulturbranche aus und festigen überdies Kiel als Ort der Literatur.