Jens Rassmus

Illustrator und Kinderbuchautor, Kiel

Foto: Corinna Unterkofler.

Meine hauptsächliche Beschäftigung besteht darin, Kinderbücher zu illustrieren. Ich arbeite in einer kleinen Atelier-/Bürogemeinschaft, die sich im selben Haus befindet, in dem ich auch wohne. Da ich selbständig bin, kann ich mir meine Arbeitszeiten frei einteilen. Die Projekte sind sehr umfangreich, und ich arbeite in der Regel mehrere Wochen oder Monate an einem Buch.

Einige der Bücher, die ich illustriere, schreibe ich auch selbst. Als Autor werde ich häufig zu Lesungen in Schulen oder Büchereien eigeladen. Ich erzähle den Kindern von meiner Arbeit, lese vor, zeichne auf einem Flip Chart und zeige die Bilder der Geschichten per Beamer. Die Lesungen sind mit der Zeit immer mehr zu einem wichtigen Teil meiner Arbeit geworden – auch in finanzieller Hinsicht.

Seit einigen Jahren habe ich zudem einen Lehrauftrag für Illustration an der Muthesius Kunsthochschule in Kiel. Auch wenn ich gerne Lesungen mache und unterrichte, macht mir die Arbeit an meinen eigenen Büchern den meisten Spaß, weil ich bei ihr das höchste Maß an Freiheit verspüre.

Ich habe Illustration und Kommunikationsdesign an der HAW in Hamburg studiert und dort den Schwerpunkt Kinder- und Jugendbuch gewählt. Ich war fasziniert von den Möglichkeiten, die dieser Bereich bot, und mir war sofort klar, dass ich in diese Richtung gehen wollte. Während des Studiums hatte ich bereits eine erste Veröffentlichung bei einem Kinderbuchverlag.

Noch vor Ende des Studiums tat ich mich mit anderen zusammen und gründete eine Ateliergemeinschaft. Der Austausch und das Miteinander waren für mich sehr wichtig. Wir teilten uns Arbeitsräume und -gerätschaften und halfen uns gegenseitig dabei, im Berufsleben Fuß zu fassen und in der Selbständigkeit zurechtzufinden. Ich weiß nicht, ob es mir als reiner „Einzelkämpfer“ ohne das Eingebundensein in solch eine Gemeinschaft gelungen wäre, mich als Illustrator zu etablieren.

Ich bewarb mich bei Verlagen, verschickte Bilder, fuhr mit meiner Mappe auf Messen, nahm zunächst fast jeden Auftrag an, den ich bekam, und probierte alles mögliche aus: Schulbuchillustration, Zeitschriftenillustration, Buchcover, CD-Cover, … Mit der Zeit konzentrierte ich mich jedoch immer mehr auf’s Büchermachen.

Zwar gibt es auch einige Quereinsteiger*innen und Autodidakt*innen in diesem Bereich, doch ein angewandtes künstlerisches Studium ist schon extrem hilfreich - und zwar unbedingt an einer Schule, die Illustration als eigenständigen Bereich anbietet. Der eigentliche Abschluss ist dabei gar nicht so wichtig, aber das Wissen, das man erwirbt, die Erfahrungen, die man sammelt, und die Leute, die man kennenlernt, sind es umso mehr.

Was man können muss? Zeichnen. Erzählen. Eigensinnig sein. Motivation und Befriedigung aus der eigenen Arbeit schöpfen. Einen langen Atem haben, wenn der Einstieg ins Berufsleben nicht gleich klappt.