olaf irlenkäuser

Geschäftsführer des Wachholtz Verlags, Kiel/Hamburg

Runtergebrochen mache ich Bücher. Was soll ich sagen: Bücher sind Kultur. Ihre Inhalte - egal ob literarisch, sachlich oder wissenschaftlich, egal ob Print oder Digital - tragen zur Selbstvergewisserung einer Gesellschaft bei, zu ihrer historischen Erforschung, zu ihrer Weiterentwicklung. Bücher transportieren in ihren Einzelteilen, aber auch in ihrer Gesamtsumme, wichtige Fragen und nicht minder wichtige Antworten auf alle Fragen unserer Gesellschaft. Sie sind langfristiger angelegt als sich schnell erhitzende soziale Medien, und daher genauso wichtig, mindestens. Insofern sind Verlage, und natürlich auch der Wachholtz Verlag, mit ihrer Kompetenz und ihrer Ausstrahlung in die Gesellschaft, zentrale Vermittler von Kultur.

Im Wachholtz Verlag spezifisch erscheinen Bücher und digitale Medien aus Wissenschaft und Kultur. Wir legen Wert auf größte inhaltliche und gestalterische Qualität unser Print- und auch Digital-Produkte, guten Vertrieb – sowohl im Buchhandel als auch online – und exzellente Pressearbeit. 

Mein persönlicher Arbeitsalltag ist in der Regel geprägt von Kommunizieren, Organisieren, Planen, Kalkulieren, und auch von konkreter Projektarbeit. Momentan haben wir z.B. einen großen „Atlas der Ökosystemleistungen Schleswig-Holstein" in Arbeit, der im Herbst erscheinen soll. Auf rund 400 Seiten zeigen die Autor*innen, wie vielfältig und wie existenziell die Beiträge der Natur für den Menschen sind - nicht nur abstrakt, sondern ganz konkret. Darüber hinaus haben wir einen großen Band über Haithabu in Arbeit, der nach der erfolgreichen deutschen Ausgabe nun auch auf Englisch erscheint. Zusammengefasst kann man sagen, dass so ein Verlag wie wir die Projekte über viele Jahre plant. Ich glaube, unsere längsten Projekte ragen bis ins Jahr 2028. Das ist also insgesamt ein recht langer Riemen. 

Mein Hauptaufgabenbereich liegt in der Koordinierung der verschiedenen Schnittstellen: Autor*innen, Lektorat, Gestaltung, Vertrieb, Presse, Buchhaltung, usw. Das damit verbundene Kommunizieren und Organisieren macht mir schon viel Spaß – am schönsten ist es aber, ein gutes fertiges Buch in den Händen zu halten und natürlich auch ein gutes Feedback dafür zu bekommen. 

Vor meiner Arbeit als Geschäftsführer im Wachholtz-Verlag habe ich Slavistik, Germanistik und Osteuropäische Geschichte studiert. Meine “Wanderjahre” führten mich über eine Buchhändlerlehre, Praktika und Volontariate zunächst in belletristische Lektorate in Frankfurt und Hamburg. Dann war ich fünf Jahre freier Autor und Lektor und konnte meine Kontakte und Fähigkeiten in dieser Zeit noch weiter ausbauen. Danach war ich einige Jahre Verlagsleiter in Hamburg, bevor mir diese Stelle als Geschäftsführer bei Wachholtz angeboten wurde. Das mache ich jetzt seit rund zehn Jahren, aber ein Ende ist absehbar: Ab 2023 wechsele ich in die Leitung des Literaturhauses Schleswig-Holstein in Kiel. Ich habe meine beruflichen Stationen nie als „Dienststelle" begriffen, sondern hatte das Glück, immer einen „Beruf" zu haben. Höchstens ironisch habe ich mich manchmal als „Dienststellenleiter" bezeichnet.

Die Arbeit im Wachholtz-Verlag erfordert eine gute Kommunikation, Menschenkenntnis, Akribie, Verantwortungsbewusstsein sowie eine gewisse Flexibilität bei allerdings festen Standpunkten. Das wären auch Voraussetzungen für eine Einstellung bei uns. Ein hohes Maß an Fachkenntnis ist außerdem unabdingbar. Danach kommt schon Sympathie. Den Rest lernt man „on the job".